Ergebnisdarstellung

Ergebnisse berichten und diskutieren

Erstaunlicherweise gibt es in der Methodenliteratur relativ wenige Veröffentlichungen zum Schreiben über die entwickelten Kategorien und zur Darstellung der Ergebnisse. Auch Kuckartz äußert sich hierzu nur kurz. 

 „Gerade beim Schreiben von Berichten im Rahmen qualitativer Forschung stellt sich häufig ein Phänomen ein, das die amerikanischen Autoren Huberman und Miles als „data overload“ bezeichnet haben: Man hat so viele interessante Daten gesammelt, dass man gewissermaßen den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht. Die Auswahl von Ergebnissen und von diese untermauernden Daten wird deshalb zum Problem: Was soll man berichten und was weglassen?“

(Kuckartz, 2016, S. 220)

Zu Beginn der Ergebnispräsentation müssen sie sich immer überlegen, welche Ergebnisse sie wie präsentieren wollen. Erstes Kriterium für die Auswahl der Ergebnisse ist selbstverständlich die Forschungsfrage! Schon in der Analyse sollten sie unbedingt den Fokus auf die Fragestellung(en) legen, um sich nicht zu verzetteln und auch im Ergebnisbericht sind die Forschungsfragen leitend.

Drei Schritte zur Ergebnisdarstellung:

Überlegte Gliederung: Macht euch vor der Ergebnisbeschreibung am besten einen kurzen Fahrplan, den ihr nach den Fragestellungen gliedert. Dann überlegt ihr zu jeder (Unter-)Fragestellung welche Analyseergebnisse geeignet sind, diese Fragestellung zu beantworten. Den Ergebnisbericht können sie dann direkt anhand der Forschungsfragen gliedern und so schon zielführend die Beantwortung der Forschungsfragen vorbereiten!

Einleitung schreiben: Schreiben sie ein paar Sätze zur Einführung in die Ergebnispräsentation. Diese verdeutlicht den Fahrplan auch für die LeserInnen oder ZuhörerInnen

Vom Allgemeinen zum Spezifischen vorarbeiten: Zu Beginn des Ergebnisberichts ist es sinnvoll zuerst einen kurzen Überblick über die gesamten (relevanten) Ergebnisse zu geben (welche Ergebnisse liegen vor?) und danach mit der detaillierten Betrachtung einzelner Ergebnisse in Bezug auf die Fragestellung weiterzumachen.

Stellen sie sich vor, sie würden die Ergebnisse mit etwas Abstand von weiter weg betrachten und sich dann annähern und „hereinzoomen“.

In einer qualitativen Forschung würden sie also zum Beispiel zuerst einen Überblick über das Kategoriensystem geben und anschließend an den Fragestellungen orientiert die Inhalte einzelner Kategorien näher mit Beispielen aus dem Datenmaterial (Zitaten) erläutern.

Achten sie bei der Erläuterung von Inhalten darauf, dass sie hier nicht in einen „Aufzählungsmodus“ verfallen, sondern die Inhalte ansprechend und interessant präsentieren! Verstehen sie sich als ErzählerInnen! Nicht im Sinne von Geschichten erzählen, aber im Sinne eines Schreibstils der gut lesbar ist und nachvollziehber vom Erleben, den Äußerungen, subjektiven Wahrheiten der Beteiligten berichtet.

Qualitive Ergebnisse berichten

Wenn sie qualitative Forschungsergebnisse berichten, gehen sie inhaltlich beschreibend vor. In der Regel orientiert sich die Beschreibung dabei an den Fragestellungen und darüber hinaus an den dazu entwickelten Kategorien, so dass sie bezüglich der Fragestellungen die Hauptkategorien einzeln in ihren Kernaussagen darstellen.

Leitend für die Darstellung der Kategorieninhalte sind dabei die Fragen: Was sind die Kernaussagen der Kategorie? Welche Inhalte sind für die Kategorie prägend? Welche unterschiedlichen Ausprägungen gibt es innerhalb der Kategorie?

Sie können sich die hochgeladenen Berichte daraufhin noch mal ansehen. Weiter unten ist noch ein weiteres Beispiel, diesmal eine Darstellung einer Kategorie, die im Zuge einer Bachelorarbeit entwickelt wurde. Sie müssen nicht solche Tabellen machen wie im Beispiel dies ist hier nur zur Erläuterung worauf sich der Text bezieht! Sie müssen für mich nicht ganz so viele Fremdworte benutzen, auf die Inhalte kommt es an und die finde ich hier aber klar dargestellt.

Wichtig: Was in diesem Beispiel deutlich wird: es geht nicht um eine einfach Wiederholung der Aussagen, die die in den Daten zu finden sind. Sondern: die Aussagen werden zusammengefasst, gewichtet, es wird genauer geschaut, was bedeutet das, was wird nicht erwähnt etc. Das heißt es wird auf eine analytische Ebene gebracht an der man dann wissenschaftlich weiter anknüpfen kann. Das wird in diesem Beispiel zur Funktion von Leistungsbewertung sehr gut deutlich.

Vorsicht mit Quantifizierungen!

Es kann in Einzelfällen auch interessant sein Häufigkeiten der Kategorien zu berichten. Eine Kategorie, die besonders häufig auftaucht verdeutlicht eine besondere Relevanz dieses Aspektes im Material.  Das kann man unter Umständen kurz erwähnen, ist aber oft eher bei größeren Arbeiten als in so einem Seminar möglich. Im weiteren Verlauf der Ergebnisbeschreibung sollten sie  auf Quantifizierungen verzichten, da nicht die Quantität der Inhalte sondern deren Ausgestaltung im Vordergrund der Betrachtung steht. Sie  wollen einen tiefen Einblick in die Daten geben, den LeserInnen ermöglichen sich ein Bild der Inhalte zu machen. Dabei spielen Zahlen kaum eine Rolle, zumal die Stichproben so klein sind, dass Zahlen nicht aussagekräftig sind, sie lenken nur von den Inhalten ab!

Eure inhaltliche Beschreibung der Ergebnisse sollte zusammenfassend sein und die wesentlichen Hauptergebnisse der Kategorie herausstellen und auf einer wissenschaftlichen Ebene beschreiben. Versucht dabei unbedingt einen flüssigen Text zu schreiben und die Inhalte als „Geschichte“ zu erzählen und vermeidet Texte mit Aufzählungscharakter, wie z.B.:

Hauptkategorie A enthält 5 Unterkategorien. Unterkategorie 1 umfasst 5 Aussagen. Zwei Aussagen beziehen sich dabei auf… In einer weiteren Aussage wird gesagt, dass… . Unterkategorie 2 enthält Aussagen zu A, B, C.

Wie sie vielleicht schon merken, ist eine solche Präsentation der Ergebnisse wenig interessant zu lesen und inhaltlich oberflächlich und nicht aussagekräftig. Schauen Sie sich andere Ergebnisdarstellungen an wie zum Beispiel den Beispielbericht Bloganalysen:

Bei negativ eigestellten Diskussionsteilnehmer_innen finden sich, im Vergleich zu anders Positionierten, die meisten emotionsgeleiteten Aussagen zu Geflüchteten. Bis auf einen Kommentar wenden sich die deutlich werdenden Gefühle gegen die Aufnahme der Schutzsuchenden. Jugendliche, in deren Beiträgen sich negative Einstellungen zeigen, äußern häufig Bedenken bezüglich der Ausbreitung von islamistischem Terror sowie Straftaten und begegnen den Geflüchteten eher misstrauisch (#6). Des Weiteren verurteilen sie das Handeln und die Motive der Geflüchteten, setzen klare Verhaltensregeln und nennen Konsequenzen für Fehlverhalten (#84). Als Reaktion auf Berichte über das Verhalten von Geflüchteten geht oftmals Empörung hervor (#78). Zudem zeigen sich in ihren Beiträgen kein Mitleid und Pflichtbewusstsein, vielmehr kommt Missgunst gegenüber den Schutzsuchenden zum Ausdruck. Diese bezieht sich vorrangig auf die finanzielle Unterstützung der Bundesrepublik, dabei weisen die Verfasser_innen explizit auf Hartz IV- Empfänger_innen und Obdachlose hin (#83).

Die im eben genannten Beispiel aufgeführten Zahlen in Klammern verweisen auf Zitate aus dem Originalmaterial, welche die jeweiligen zusammenfassenden Aussagen veranschaulichen sollen und in Tabellenform in den Text integriert wurden.

Sie sollten im Ergebnisbericht immer auch Beispiele oder Originalzitate aus dem Material einfließen lassen, um die Ergebnisse zu illustrieren. Entsprechende Zitate und Aussagen können kontrastiert werden, gewichtet, zusammenfasst, pointiert etc. Dabei sollten diese Zitate immer als solche gekennzeichnet werden und mit einer entsprechenden Quellenangabe versehen werden. Bei Interviews wären das zum Beispiel die Interviewkennzeichnung, die Absatz- und/oder Zeilennummer (z.B. Interview1, Zeile 112-115). Das Hauptaugenmerk liegt auf der zusammenfassenden Präsentation der Ergebnisse liegen sollte. Beispiele dienen zur Veranschaulichung und sollten nicht den Hauptteil des Textes bilden.

Diskussion der Ergebnisse

In der anschließenden Interpretation und Diskussion der Ergebnisse ziehen sie Schlussfolgerungen aus den empirischen Erkenntnissen und nehmen einen Abgleich der Ergebnisse mit dem Stand der Forschung vor und stellen einen Bezug zur Theorie her. Was deckt sich mit dem Forschungsstand und wie lassen sich die Ergebnisse anhand der Theorie erklären? Welche neuen oder überraschenden Befunde gibt es? Wie könnten mögliche Erklärungen dafür aussehen und was müsste noch näher untersucht werden? Dabei kann es natürlich nicht nur darum gehen, bestehende Studien zu bestätigen oder in Frage zu stellen. Qualitative Forschung kann auch zusätzliche Informationen liefern und zum Beispiel Befunde aus Fragebogenstudien dadurch vertiefen.

Abschließend können sie sich in einem kurzen Fazit noch dazu äußern, welche Konsequenzen für die Praxis oder die zukünftige Forschung sich eurer Meinung nach aus den Ergebnissen eurer Forschung ergeben.

(Grundstätzlich sollten in dem Teil hier nur Theorien und Forschungen auftauchen, über die sie auch schon im theoretischen Hintergrund berichtet haben. Ggf. den Teil noch mal überarbeiten, wenn hier Aspekte auftauchen in den Daten, für die im Theorieteil Referenzpunkte fehlen.)

Bei anderen abgucken:

Wenn Sie auf der Suche nach Beispielen für die Ergebnisdarstellung sind, schauen Sie sich am Besten Zeitschriftenbeiträge an. Lesen sie nach, wie andere in ihren Arbeiten die Ergebnisse berichten!

Auch für andere Teile der Darstellungen z.B. die Erläuterung des Untersuchungsdesigns kann ein Blick in andere Arbeiten hilfreich sein!

Literatur zur Darstellung von Ergebnissen

Insgesamt gibt es erstaunlich wenig Literatur zur Darstellung von Ergebnissen, gerade für die qualitative Forschung.

Hilfreich kann es sein, sich Studien durchzulesen und genau zu schauen wie die Darstellung dort erfolgt und was daraus für die eigene Studie gelernt und vielleicht sogar übernommen werden kann.

Aeppli, J., Gasser, L., Schärer, A. T., & Gutzwiller, E. (2016). Empirisches wissenschaftliches Arbeiten: Ein Studienbuch für die Bildungswissenschaften: Klinkhardt.