(Gender-)Digital-Divide

Informatik und Gesellschaft Blog über (Gender-)Digital-Divide

Die Digitale Alterskluft

Autor: Lara Janßen

Von Digital Natives und Digital Immigrants

Digital Natives

“What should we call these “new” students of today? […] But the most useful designation I have found for them is Digital Natives. Our students today are all “native speakers” of the digital language of computers, video games and the Internet.”

– [Ma01]

Der Begriff des ‘Digital Native’ leitet sich aus dem englischsprachigen Raum ab und bedeutet so viel wie „Digitaler Eingeborener“ oder auch „Digitaler Einheimischer“, welches bereits die Bedeutung dessen deutlich macht. Dieser Begriff umfasst nämlich die Generation an Menschen, welche in das digitale Zeitalter hineingeboren wurden und somit den Umgang mit den neusten Technologien und dem World Wide Web von Anfang an erlernen, diese Medien und Möglichkeiten sogar als selbstverständlich ansehen. [O01]

Allgemein hin definiert man die Digital Natives also als alle Menschen die nach 1980, der sogenannten ‘Generation Y’ bzw. den ‘Millennials’, geboren wurden. [Ka16]

Einfluss in der heutigen Zeit

Durch die immer weiter fortschreitende Integration der digitalen Welt der Digital Natives verändert sich auch die allgemeine Einstellung und besonders die Lern- und Arbeitsweise dieser.

„Durch den vertrauten und selbstverständlichen Umgang mit digitalen Medien, verändert diese Generation mit ihren Erwartungen und Verhaltensweisen auch die Wahrnehmung und Vorgehensweisen in Unternehmen und in der freien Wirtschaft im Allgemeinen. So ist in der Arbeitswelt schon jetzt ein Wandel hin zur bloggenden Chefetage erkennbar und die Nutzung von Wikis oder Business-Netzwerken für das Wissensmanagement keine Ausnahme mehr“

– [O01].

Digital Immigrants

“Those of us who were not born into the digital world but have, at some later point in our lives, become fascinated by and adopted many or most aspects of the new technology are, and always will be compared to them, Digital Immigrants.”

– [Ma01]

Auch der Begriff des ‘Digital Immigrant’ leitet sich natürlich wieder aus dem englischsprachigen ab und bedeutet so viel wie „Digitaler Einwanderer“. Dieser Umfasst jene Generationen, die vor 1980 geboren wurden, das heißt ohne die heutigen Medien aufgewachsen sind und diese Kompetenzen, also den Umgang und besonders das Vertrauen in diese erst spät im Erwachsenenalter erlernen müssen. [O02]

Stand in der heutigen Zeit

In der heutigen Zeit wird der Alltag von vielen meist durch die Einbettung digitaler Medien in diesem bestimmt, ob ein kurzer Überblick über die neusten Nachrichten im Internet oder auch ein erstes „Guten Morgen“ an Freunde und Familie übers Handy. Für die Digital Natives ist dies ein selbstverständlicher Ablauf, für die Digital Immigrants jedoch nicht: Diese müssen diesen selbstverständlichen Umgang erst erlernen und hängen dabei stark hinter den Digital Natives zurück, was unter anderem zu Problemen in der sich immer weiter verändernden Arbeitswelt führen kann. [O02]

Mediengewonheiten

Auch in der Nutzung von Medien lassen sich deutliche Unterschiede im Alter erkennen, so nutzen Digital Natives eine Vielzahl von unterschiedlichen Medien in ihrem Alltag und Digital Immigrants eher eine kleinere Auswahl an spezifischen Medien, wobei sich auch bei diesen, in schwächerer Ausprägung, ein Wandel hin zur vermehrten Mediennutzung erkennen lässt. [An19]

„Im Medienalltag der älteren Bevölkerung in Deutschland nehmen die linearen Medien Fernsehen und Hörfunk weiterhin die zentrale Stellung ein. Die beiden „traditionellen“ elektronischen Medien erreichen wie übrigens auch im Durchschnitt der Gesamtbevölkerung – Tag für Tag die weitaus meisten Menschen in den Zielgruppen ab 50 Jahren.“

– [An19]

(Abbildung 1 – Reichweite der Medien in Deutschland) – [An19]

Wenn auch, wie in Abb. 1 zu sehen, die Nutzung von Medien wie TV und Radio sowohl bei den Digital Natives als auch den Digital Immigrants ungefähr gleich ist, so werden Medien zur Internetnutzung bei steigendem Alter immer weniger genutzt [An19].

(Abbildung 2 – Onlinenutzung in Deutschland) – [An19]

Im Gegensatz dazu liegt die Internetnutzung. wie in Abb. 2 zu sehen, bei den Digital Natives bei nahezu 100 % [An19]. Dabei wird vor allem das Smartphone oder auch der Computer und Laptops benutzt, wobei das Smartphone am meisten zum Schauen von Videos, zum surfen und zum Musikhören genutzt wird [Ac19].

Ursachen der digitalen Alterkluft

Einer der Hauptursachen für die digitale Spaltung liegt darin, dass Digital Immigrants ohne die heutigen technischen Möglichkeiten aufgewachsen sind und den Umgang mit den heutigen Medien wie Smartphones, Tablets, Laptop, Computer und allem Weiteren erst spät im Erwachsenenalter nachträglich erlernen müssen.

Ein weiterer Grund liegt im mangelnden Vertrauen der älteren Generationen in die neuen Technologien, eben weil diese nicht mit solchen Möglichkeiten aufgewachsen sind und die Funktionsweise dahinter oft nicht nachvollziehen bzw. verstehen können.

Beispiel anhand des Onlinebankings:

Das Onlinebanking spielt in der heutigen Zeit eine sehr große Rolle, so werden Transaktionen jeglicher Art weltweit, egal ob geschäftlich oder privat, fast nur noch so durchgeführt. Trotzdem lässt sich hier eine starke Spaltung zwischen Jung und Alt feststellen: Insgesamt beläuft sich die Nutzung von Onlinebanking bei den unter 50-Jährigen auf 69 % Prozent und ist damit im Vergleich zu den letzten Jahren weiter gestiegen, jedoch beläuft sich die Nutzung der über 60-Jährigen lediglich auf 23 % dabei spielen Bedenken bezüglich der Sicherheit die größte Rolle [Ch18].

Insgesamt meint zwar knapp die Hälfte der Deutschen, das Verfahren sei sicher, etwas mehr als ein Drittel (37%) glaubt jedoch „nicht so sicher“ und rund jeder Siebte (15%) „gar nicht sicher“. Bei näherem Hinsehen zeigt sich allerdings: Auch die Wahrnehmung der Sicherheit ist klar eine Frage des Alters. In den Altersgruppen bis 50 Jahren sind weit über 60 Prozent der Befragten von der Sicherheit des Verfahrens überzeugt, bei den über 60-Jährigen jedoch weniger als ein Drittel (28%).

– [Ch18]

Zusätzlich können die meisten Digital Immigrants, selbst wenn sie wollten, nicht das gesamte Potential bezüglich des Internets nutzen, da mehr als die Hälfte der 10 Millionen am häufigsten genutzen Webseiten auf Englisch sind. Dagegen liegen die Werte bei anderen Sprachen wie Russisch, Deutsch, Japanisch, Spanisch oder Französisch grade mal zwischen 4 und 5,8 Prozent. [Bu17]

Dahingegend liegt Anzahl an Deutschen im Alter von 20 bis 29 Jahren die kein Englisch sprechen können bei grade einmal 3,1 Prozent wohingegen diese bei den 60 bis 69-jährigen bereits bei 39,4 Prozent und bei den über 70-jährigen sogar bei über 50 Prozent liegt. [O04]

Schließung der digitalen Alterskluft

Um die vorhandene Alterskluft zu schließen gab es immer wieder unterschiedliche Projekte, unter anderem gab es zum Beispiel das Projekt “Log On, Learn” oder auch die Initiative „A1 Internet für Alle“ von der Telekom.

Das Projekt “Log On, Learn” ist von den Unternehmen Intel, An Post, Microsoft und sich im Orientierungsjahr befindlichen Schülern aus Irland ins Leben gerufen worden und zielt darauf ab, älteren Generationen den Umgang mit den neuen Technologien beizubringen. Für diesen Zweck werden die jüngeren Schüler zu den Lehrenden und bringen den Digital Immigrants im Verlauf von acht Modulen diesen den Umgang mit beispielsweise den Computer bei. Dadurch soll nicht nur die Medienkompetenz der Digital Immigrants gesteigert, sondern auch der Umgang zwischen den Digital Natives und den Digital Immigrants gefördert werden [Jo09].

Die Initiative „A1 Internet für Alle“, welche von der A1 Telekom Austria Group ins Leben gerufen wurde ist, zielt ebenfalls darauf ab die Kluft im digitalen Zeitalter zu schließen, basiert dabei jedoch im Gegensatz zum “Log On, Learn”-Projekt nicht ausschließlich auf den Aspekt des Alters ab, bezieht diesen aber trotzdem mit ein. Fokus bei dieser Initiative liegt bei der Nutzung des Internets, beziehungsweise der Tatsache, dass schätzungsweise rund 41 % der Weltbevölkerung nach wie vor nicht online ist. Um die kompetente und sichere Nutzung des Internets zu fördern, bietet diese seit 2011 kostenlose Internetschulungen sowie Workshops an, welche die notwendigen Kompetenzen zur aktiven Teilnahme am gesellschaftlichen Leben in der heutigen Zeit vermitteln. [O03]

Fazit

Im Allgemeinen ist es wichtig, auch die Digital Immigrants in das neue Zeitalter mitzunehmen, da die digitale Welt bereits eine sehr große Rolle im Alltag eines jeden einzelnen von uns spielt und sich dies auch zukünftig weiter steigern wird. Besonders hier in Deutschland ist es, aufgrund der hier herrschenden demografischen Lage, enorm wichtig damit anzufangen der digitalen Alterskluft entgegenzuwirken. Bisher gibt es in Deutschland keine Ansätze zur Lösung des Problems, bzw. auch kein Bewusstsein des Problems, es wird weder von Parteien noch von anderen öffentlichen Organisationen angesprochen. Dabei sind ähnliche Projekte wie die zuvor genannten sicherlich förderlich, aber noch viel wichtiger wäre es, ein Bewusstsein hin zur digitalen Welt zu schaffen. Bei den meisten Digital Immigrants mangelt es am Interesse gegenüber des digitalen Zeitalters, was nicht zuletzt an ihrer Unwissenheit liegt.

Literatur

[O01] o. V., „Digital Native“, in: Webseite Gründerszene, URL: https://www.gruenderszene.de/lexikon/begriffe/digital-native?interstitial, Abruf 16.01.2020

[O02] V., „Digital Native“, in: Webseite Gründerszene, URL: https://www.gruenderszene.de/lexikon/begriffe/digital-immigrant?interstitial, Abruf 16.01.2020

[Ka16] Kate Meyer, „Die Generation Y als Digital Natives: Mythen und Fakten“, in: Webseite Usability, 03.01.2016, URL: https://www.usability.ch/news/generation-y-digital-natives.html, Abruf 16.01.2020

[Ch18] Christian Jung, “Eine Frage des Alters: Digital Divide beim Online-Banking”, in: Webseite des Bankenverbandes, 03.07.2018, URL: https://bankenverband.de/blog/digital-divide-beim-online-banking/, Abruf 01.2020

[Ch16] Christian Rusche, „Die digitale Alterskluft“, in: Webseite des Instituts der deutschen Wirtschaft, 14.09.2016, URL: https://www.iwd.de/artikel/die-digitale-alterskluft-301526/, Abruf 16.01.2020

[Jo09] John Holden, „Closing the digital age gap”, in: Webseite der Irish Times, 25.02.2009, URL: https://www.irishtimes.com/culture/closing-the-digital-age-gap-1.708951, Abruf 16.01.2020

[Ma01] Marc Prensky, “Digital Natives, Digital Immigrants”, in: the Horizon (MCB University Press, Vol. 9 No. 5), Oktober 2001

[An19] Andreas Egger, Birgit van Eimeren, „Mediennutzung älterer Menschen zwischen Beständigkeit und digitalem Wandel“, Juni 2019

[Ac19] Achim Berg,  „Kinder und Jugendliche in der digitalen Welt“, Mai 2019

          [O03] o. V., “Schließung der digitalen Kluft”, in: Webseite der A1 Telekom Austria Group, URL: https://www.a1.group/de/csr/medienkompetenz, Abruf 16.01.2020

[O04] o. V., “Englischkenntnisse der Deutschen: Viele wären nicht als Expats geeignet”, in: Webseite Expat News, 23.05.2014, URL: https://www.expat-news.com/panorama_auswandern_expatriates/englischkenntnisse-der-deutschen-viele-waeren-nicht-als-expats-geeignet-16492, Abruf 16.01.2020

[Bu17] Bundeszentrale für politische Bildung, “Digital Divide”, in: Webseite der BPB, 01.07.2017, URL: https://www.bpb.de/nachschlagen/zahlen-und-fakten/globalisierung/52708/digital-divide, Abruf 16.01.2020

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