(Gender-)Digital-Divide

Informatik und Gesellschaft Blog über (Gender-)Digital-Divide

Potenziale von IKT

Autor: Niklas Wenning

Was sind IKT? Wie spielen sie in der Entwicklung einer Wissensgesellschaft eine Rolle und welche Potenziale ergeben sich aus ihnen? Die Wissenskluft und die Medienkompetenz sind Gründe für die klaffende Schere der digitalen Spaltung.

Was ist der Digital-Divide?

Unter dem Digital-Divide versteht man die:

“gesellschaftliche Segmentierung in Form von Alters-, Geschlechter-, Einkommens-und Bildungsklüften sowie soziogeographische, ethnische, kulturelle und sprachliche Klüfte entlang der Komponenten “Zugang” und “Nutzung” moderner Informations- und Kommunikationstechnologien.”

[Ar03]

Ersichtlich ist hier, dass das Feld des Digital-Divides sehr weit gefächert ist und damit auch eine große Menge von Aus- und Wechselwirkungen besitzt. Speziell für diese Arbeit interessant ist daher die Entwicklung und die generellen Probleme und Chancen, welche die Beeinflussung von sozialen, kulturellen, ökonomischen und wissenschaftlichen Aspekten durch den Digital-Divide mit sich bringen. Dies soll mit dem Fokus auf den geschlechtlichen Aspekten passieren. Daher werden wir uns von den allgemein gültigen Aspekten zu den verschärften, zwischen-geschlechtlichen Anteilen hinarbeiten.
Da Digital-Divide auch grundsätzlich als Kluft in Zugang und Nutzen von Informations- und Kommunikationstechnologie verstanden wird, ist zuerst eben genannte Technologie zu betrachten. [Ar03]

Was sind IKT?

“Im weiteren Sinne steht ‘Informations- und Kommunikationstechnik’ für jegliche Kommunikationsanwendung, darunter Radio, Fernsehen, Handys, Smartphones, Hardware und Software für Computer und Netzwerke, Satellitensysteme, sowie für die verschiedenen Dienstleistungen und Anwendungen, die damit verbunden sind.”

[WI19]

Informations- und Kommunikationstechnik (IKT) sind also Medien, welche Informationsverteilung und Kommunikation zwischen Menschen oder Technologien ermöglichen. Einer der wichtigsten Aspekte ist hierbei das Internet. Als wertneutrales Medium, bedeutet ein freier Internetzugang, Zugriff auf Ansammlungen von Wissen und damit als Grundlage für persönliche und wirtschaftliche aber auch kulturelle Entwicklung ohne Rücksichtnahme auf Region, sozialen Stand oder Geschlecht zu verstehen [La07].

Aber auch der Umgang mit Medien, welche den Zugang zum Internet ermöglichen und solche, die ähnliches Potenzial bieten wie Handys, Computer etc. spielen eine große Rolle.

Ausgehend davon stellt sich die Frage: Warum herrscht eine Spaltung der Gesellschaft und zwischen den Geschlechtern im Umgang mit IKT und wie ist sie Entstanden?

Von der Wissensgesellschaft und der Wissenskluft

„As the infusion of mass media information into a social system increases, segments of the population with higher socioeconomic status tend to acquire this information at a faster rate than the lower status segments, so that the gap in knowledge between these segments tend to increase rather than decrease.”

[TDO70]

Demnach steigt mit dem sozioökonomischen Status auch der Zugang und Konsum zu Massenmedien. Durch den größeren Konsum von Medien entsteht so eine größere Ansammlung an Wissen. Schwächere Teile der Gesellschaft hingegen konsumieren weniger Medien und generieren dadurch auch weniger Wissen, wodurch es weniger wahrscheinlich ist,dass sie Medienkompetenz aufbauen. Dieses Phänomen setzt sich dann zyklisch fort. So entsteht eine Wissenskluft in der Gesellschaft.

Visualisiertes Paradigma der Wissenskluft-Hypothese [BM07]

Begründet sieht Tichenor dieses Phänomen in folgenden Aspekten:

  1. Medienkompetenz: Gebildetere Menschen besitzen bessere Fähigkeiten im Umgang mit Texten und behalten sie besser.
  2. Wissensniveau: Das schon erhaltene Wissen erleichtert wiederum Vernetzen, Aufmerksamkeit und Behalten neuer Informationen.
  3. Soziale Kontakte: Gebildetere Menschen tauschen mehr Informationen aus.
  4. Selektive Zuwendung, Akzeptanz und Behalten von Informationen: Höher Gebildete suchen auch eigenständig nach neuem Wissen.
  5. Art des Mediums: Je nach Art und Zugang des Mediums und an deren Zielgruppe ist auch ihr Informationsgehalt orientiert. Wissenschaftsmagazine vermitteln mehr Informationen als die Bild.
    [La10]

Außerdem wird von vielen Menschen die Fülle an Information als überwältigend und dadurch unwichtig empfunden. Sie werden durch die Masse an Input desensitiviert [Bu02].

Mit dieser Ausgangslage ist auch intuitiv ersichtlich, warum sich diese Faktoren mit dem Anbruch des digitalen Zeitalters verstärkt haben. Der einfachere Zugang und die Fülle an Informationen im Internet, bietet mehr Potenzial für eine größere Kluft. Hinzu kommt die Einstiegshürde im Umgang mit digitalen Medien, um mit dieser Wissensbasis interagieren zu können. Gekoppelt mit dem psychologischen Faktor der Überinformation, bietet sich die Möglichkeit einer immer weiter auseinander driftenden Schere.

Entwicklungspotenziale der IKT

IKT haben dabei aber auch die Möglichkeit, viele der aus der Wissenskluft resultierenden Probleme zu verringern. Daher sind auch die Kategorien und Auswirkungen des Digital-Divides zu beachten, um Potenziale der IKT aufzeigen zu können.
Kann der Umgang mit digitalen Medien derart geschult werden, dass ein generelles, fundamentales Verständnis über den Umgang mit diesen besteht, so kann das zur Verfügung stehende Wissen genutzt werden, um die Ursachen für die Wissenskluft zu bekämpfen.

Potenziale der IKT können sich auf wirtschaftliche, soziale und wissenschaftliche Räume der Gesellschaft auswirken. Die vernetzten Möglichkeiten durch neue Geschäftsmodelle im Internet, der freie Zugang zu sozialen Anlaufpunkten und der Kommunikation, sowie die politische Mitbestimmung durch E-Government und Information über momentane Geschehnisse, können zu einer Verbesserung der jeweiligen Situation des Einzelnen führen. Dadurch kann es zu einer Entwicklung in den genannten Bereichen kommen. Diese wiederum bedingt ein steigendes Niveau der gesamten Gesellschaft nach der Wissensklufthypothese. [La07]

Konkret Potenziale zeigen sich dann als wirtschaftliche Aspekte:

  • Produktivitätssteigerung durch Einsatz von IKT und Verringerung unnötiger Arbeit.
  • Schnellere Reaktionsfähigkeit auf den Markt von Unternehmen.
  • Der Standort wird durch IKT weniger wichtig, da Unternehmen auch verteilt agieren können.
  • Dies hat Einfluss auf die Validität regionaler Unternehmungen und ihrer Entwicklung.

Wissenschaftliche Aspekte:

  • Ermöglichung der verteilten Forschung, wie bspw. der Partnerschaft der Universität Oldenburg mit anderen Universitäten über das ATLANTIS-Projekt.
  • Höherer Zugriff auf Informationen und wissenschaftliche Arbeiten.

Soziale Aspekte:

  • Weiterbildung
  • Networking
  • Informationserwerb ohne zeitliche Begrenzung.

[La10]

RISIKEN VON IKT

Der oberflächliche und unreflektierte Umgang mit IKT kann aber auch zu Risiken führen. Das Überbewerten der eigenen digitalen Präsenz kann zu einer verzerrten sozialen Wahrnehmung führen. Der unbedachte Umgang mit Informationen jeglicher Art, kann zu Fehlinformation und zu einer wenig auf Fakten basierten Meinungsbildung führen. Der jüngst aufgekommene Begriff “Fake News” zeigt sich als Ausprägung hiervon.
Nur der Zugang und Umgang von IKT alleine reicht nicht für eine größere Wissensbildung aus. Auch die Art der konsumierten Inhalte muss stimmen. Allerdings können die in der Wissenshypothese begründeten Ursachen auch mit einheitlichen Fähigkeiten im Umgang mit digitalen Medien, nicht ausgeschlossen werden.

Möglichkeiten der Überbrückung des Digital-Divide

Einige Möglichkeiten der Überbrückung des Digital-Divide ergeben sich schon aus den betrachteten Feldern:
Einem Unterschied im Zugang zu IKTs kann durch eine Verbesserung der Infrastruktur entgegengewirkt werden. Wie in dieser Arbeit ausgeführt, kann aber auch ein Unterschied im Umgang mit Technologien an sich bestehen. Dieser kann durch Schulen, Lehrgänge aber auch durch Aufzeigen der Potenziale der Technologie und durch Autodidaktik gelöst werden. Dabei muss auf einen bewussten Umgang mit Medien geachtet werden.
Ich denke, hier ist ein gesamtgesellschaftlicher, holistischer Ansatz gefragt, da sich Ursachen wie die Wissenskluft und die mangelnde Gleichberechtigung der Geschlechter auf mehr als nur den technisch/ infrastrukturellen Aspekt beschränken. Das grundsätzliche Reduzieren von Sexismus und das Bestreben zu einer einheitlichen Wissensgesellschaft, kann durch einen Ansatz in der Bildung und der Erziehung erreicht werden. Es bleibt aber ein Problem, das nicht durch einen Top-Down Ansatz erzwungen werden kann sondern von der Gesellschaft als gesamtes getragen werden muss. Ein Mittel dazu sind eben genannte IKTs, welche autodidaktisch den bestehenden Problemen entgegenwirken können. Das Schließen der Wissenskluft kann dann positive Veränderungen für die gesamte Gesellschaft bedeuten, da genannte Probleme informiert diskutiert werden können. [St18]

Meinung

Die Möglichkeiten des Umgangs mit IKT und damit der Auflösung des Digital-Divide sind gesellschaftlich deutlich positiv. Die generelle Schulung der Gesellschaft im Umgang mit digitalen Medien kann zu vielen Entwicklungsmöglichkeiten führen, doch muss dabei darauf geachtet werden, auch eine qualitativ hochwertige Medienkompetenz zu schaffen und die Möglichkeit zu dieser, jedem zugänglich zu machen. Ansonsten droht ein unreflektierter Umgang mit Medien, wodurch weitere soziale, politische und wissentliche Disparitäten gefördert werden können. Auch handelt es sich hier um ein gesamtgesellschaftliches Problem, weshalb Lösungsmöglichkeiten lediglich inzentiviert, aber nicht erzwungen werden können.

Literatur

[Ar03] Arnhold, K., Hrsg.: Digital Divide – Zugangs oder Wissenskluft. Reinhard Fischer, München, 2003.

[Bu02] Burkart, R., Hrsg.: Kommunikationswissenschaft. Grundlage und Problemfelder. Umrisse einer interdisziplinären Sozialwissenschaft. UTB, Stuttgart, 2002.

[BM07] Bonfadelli, H.; Moser, H.: Medien und Migration: Europa als
multikultureller Raum? VS Verl. für Sozialwiss, Wiesbaden, 2007,
isbn: 9783531151298.

[Gl70] Glück, H. I.: Mass Media Flow and Differential Growth in Knowledge. The Public Opinion Quarterly, S. 159–170, 1970.

[La07] Langer, C., Hrsg.: Digitale Spaltung : eine kritische Analyse. VDM Müller, Saarbrücken, 2007.

[La10] Lanzke, S.: Digitale Spaltung und Regionalentwicklung in ländlichen Räumen, Diss., Homberg/ Efze: Philipps-Universität Marburg, März 2010.

[St18] Steele, C.: How to Bridge the Digital Divide, Dez. 2018, url: http://www.digitaldividecouncil.com/how-to-bridge-the-digital-divide/.

[WI19] 2019, https://de.wikipedia.org/wiki/Informations-_und_Kommunikationstechnik , Stand: 26.01.2019.

Bildquelle: Yahoo

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